04.09.2017



   

 Vergleich Re 460


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 Vergleich Re 460
 

Ein Vorbild, drei Modelle: die Re 460

Eine der schönsten modernen Loks überhaupt ist die von der italienischen Designerfirma Pininfarina entworfene Gehäuseform der Schweizer Elektrolok Re 460, dessen Präsident - Andrea Pininfarina - leider kürzlich verstorben ist.

Die Lok erfreut sich - nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten - grosser Beliebtheit, sowohl bei den Lokführern, den Bahnreisenden und auch den Werbeleuten. Es gibt keine andere Schweizer Lok, welche so viele unterschiedliche Farbkleider getragen hat wie die Re 460.

Gerade diese Bedruckungsvielfalt hat es den Modellbahnherstellern angetan, kann doch die einmal hergestellte Form vielfach eingesetzt werden. So überrascht es nicht, dass gleich drei grosse Hersteller diese Lok in H0 im Programm haben. Hier möchte ich nun die Modelle vorstellen und einige Punkte vergleichen.

Vorne weg sei aber gleich gesagt: alle drei Hersteller - HAG, Märklin und Roco - haben sehr schöne Modelle hergestellt, welche sehr gute Fahreigenschaften haben (mit Ausnahme der nicht mehr zeitgemässen und auch nicht mehr produzierten Märklin Delta Ausführung).

Diese drei Modelle treten gegeneinander an:
v.l.n.r.: HAG, Roco, Märklin

Kurzbeschreibung der Modelle

HAG

Das Modell von HAG ist der Tradition des Hauses entsprechend ganz aus Metall hergestellt.
Der Standard HAG Motor Typ 88 treibt zwei Achsen eines Drehgestells an. Zum öffnen des Gehäuses ist an der Unterseite eine Schraube herauszudrehen.
Die Beleuchtung erfolgt mit jeweils zwei Glühlampen vorne und hinten. Daraus ergibt sich ein Lichtwechsel 3 x weiss vorne, 1 x weiss hinten.
Bei HAG wird in neueren Modellen standardmässig ein Decoder eingebaut, früher ein LokPilot 2, zurzeit ein LokPilot 3.

Sauber verarbeitet und aufgeräumt präsentiert sich das Innere der HAG Lok. Der bewährte Motor 88 leistet hier seinen Dienst, geregelt von einem ESU LokPilot v3.

Roco

Das Roco Modell besitzt ein schweres Chassis aus Zinkdruckguss. Das Gehäuse ist dagegen aus Kunststoff hergestellt. Zum Öffnen werden die vier Puffer abgezogen, das Gehäuse lässt sich anschliessend einfach nach oben wegziehen. Das Modell besitzt ein längs eingebauter, fünfpoliger, schräggenuteter Motor mit Schwungmasse, welcher bei der Mittelleiterausführung der Lok beide Achsen eines Drehgestells antreibt (bei der DC Ausführung beide Drehgestelle).
Wie die HAG Lok besitzt auch die Roco Re 460 vier Glühlampen, um ein Lichtwechsel 3 x weiss vorne, 1 x weiss hinten darzustellen.
Die Roco Lok wird mit einem elektronischen Fahrtrichtungsumschalter ausgeliefert. Für die Gegenüberstellung wurde dieser gegen einen LokPilot 3 ausgetauscht.

Auffällig ist das hohe Metallchassis der Roco Lok. Unschön ist die Verwendung von Klebeband. Der längs eingebaute Fünfpoler ist mittig unter der Leiterplatte eingebaut.

Märklin

Der Aufbau der Märklin Lok ähnelt sehr der HAG Ausführung. Zwei Schrauben an der Unterseite der Lok halten das Zinkdruckgehäuse an den Rahmen, welcher ebenfalls aus diesem Metall hergestellt ist. Für die Seitenverkleidung sind Kunststoffteile aufgesetzt.
Märklin setzt wie HAG auf einen Drehgestellantrieb. Zum Einsatz kommen unterschiedliche Motoren: angefangen vom dreipoligen Reihenschlussmotor (Allstrom-Motor) in der Delta-Ausführung (Artikel 34xx) über den Hochleistungsantrieb mit fünfpoligem Rotor (Artikel 37xx) bis zum C-Sinus Motor der ersten Generation (Artikel 39xxx). Letzterer wird nicht mehr hergestellt, so dass aktuelle Modelle wieder den HLA verbaut haben.
Märklin verwendet für die Beleuchtung bei neueren Modellen LED (die Delta Versionen sind noch mit Glühlampen ausgerüstet). Bei den C-Sinus Ausführungen ist damit ein Lichtwechsel  3 x weiss vorne, 1 x weiss hinten sowie 3 x weiss vorne, 1 x rot hinten möglich, letzteres für eine Solofahrt der Lok. Zudem können über die Funktionstaste F2 die Scheinwerfer eingeschaltet werden. Die verwendeten LED sind allerdings gelb und passen nicht so recht zu dieser modernen Lok. Wie man diese selber auf weiss ändern kann, habe ich auf der Seite "weisse LED bei der Re 460" beschrieben.
Märklin liefert alle Loks mit Decoder aus. Getestet wurden die Ausführungen mit HLA sowie C-Sinus, welche beide den Märklin eigenen ASIC Decoder besitzen. Aktuelle Modelle werden mit einem mfx Decoder ausgeliefert, dessen Hersteller ESU ist.

Oben die Märklin Lok mit Hochleistungsantrieb, unten mit C-Sinus Antrieb der ersten Generation. Märklin verwendet mehrere Leiterplatten, um alle Funktionen unterzubringen, was die Verkabelung nicht eben vereinfacht.

Äusserlichkeiten

Beim HAG Modell sind die Konturen nicht ganz so scharf und detailliert wie bei den Mitbewerbern.
Auffällig ist dies vor allem im Bereich über dem oberen Licht bei den Hörnern.
Als Besonderheit lassen sich bei der HAG Lok die Rangiertritte an den Puffern ausklappen.
Schön detailliert ist das Kunststoffgehäuse von Roco.
Das Roco Modell hat als einziger der drei Kandidaten die korrekten Pantografen (siehe Bild des Originals). Dem Modell liegen breitere Wippen für den Betrieb an einer Oberleitung bei.
Präzise und konturenscharf ist das Metallgehäuse von Märklin. Die Lok wird mit breiten Stromabnehmern für echten Oberleitungsbetrieb ausgeliefert, schmalere Schleifstücke sind als Zubehörteil unter der Artikelnummer 446500 erhältlich:
Bild: Märklin
Hier als Vergleich das Original. Leider habe ich kein Bild aus derselben Perspektive, man erkennt aber trotzdem einige der erwähnten Details.
Das Bild stammt von der 125 Jahre Gotthardbahn Feier.
   
Der oben beschriebene Eindruck wird auch bei der Betrachtung der Seite der Loks bestätigt.
Unterschiedlich ist die Ausführung der Griffstangen: bei HAG und Märklin sind diese als Drahtbügel abgebogen und durch das Gehäuse geführt, was bei HAG dank präzis ausgeführte Gehäuselöcher kaum auffällt. Bei Märklin sind die Gehäuselöcher noch gut sichtbar. Roco geht einen anderen Weg. Hier werden kurze gerade Drahtstücke eingeklippst.
Die Trittstufen sind bei allen Modellen zu wenig tief ausgeführt, hier könnte kaum ein Lokführer hinaufsteigen. Etwas seltsam sieht es bei Roco und Märklin aus, da die Farbtrennkante hier durchläuft, was zwar durchaus korrekt wäre, bei der geringen Tiefe aber doch falsch aussieht. Bei HAG wirkt es am glaubwürdigsten.
Eine Besonderheit ist bei der Roco Lok die Möglichkeit, die Seitenspiegel ausgeklappt darzustellen. Dazu werden vier flache und vier ausgeklappt dargestellte Kunststoff-Steckteile mitgeliefert.
Die Gehäuseoberfläche der HAG gefällt am besten, die Märklin hat eine leicht grobe Oberfläche.
Zu erwähnen sei noch, dass es sich bei der HAG Lok hier um eine Sonderausführung ohne seitliche Sicken handelt. Dies ist bewusst so gemacht, alle anderen HAG Re 460 Loks haben natürlich die charakteristischen Sicken in der Seitenwand.

   

   

   

   
   
HAG rüstet seine Re 460 mit Federpuffer aus, sogar der Rangiertritt lässt sich ausklappen. Leider sind die Puffer nicht ganz gerade und müssen irgendwie noch gerichtet werden.
Die mittige Trittfläche ist präzise graviert.
Sehr schön ausgeführt ist der Führerstand und dessen Rückwand. Der Lokführer ist standardmässig eingesetzt.
Die filigranen Scheibenwischer sind als separate Teile verbaut, die Frontscheibe ist präzise eingepasst.
Bei den Lampen wurden die roten Lichter farblich korrekt hervorgehoben.
Das Schweizerkreuz ist eine Besonderheit dieses Sondermodells.
 
   
Auch bei der Roco gefällt der Führerstand sehr gut. Der Lokführer ist ebenfalls standardmässig in der Roco Lok. Dieser hat eine Mütze, welche einem Polizisten eher passen würde. Der arme Kerl sieht aber kaum über seien Führerstand hinweg.
Die Scheibenwischer sind Teil der Frontscheibe und schwarz abgesetzt.
Die mittlere Trittfläche gleicht eher einem grossen Klotz, die Puffer sind etwas stark abgerundet.
Sehr schön ist die Detaillierung des Gehäuse, welche sich hier von den beiden anderen Modellen abhebt.
   
Die Märklin Lok hat einen recht einfachen Führerstand, die Rückwand ist aus grauem Plastik und nicht weiter detailliert. Der Führerstand als solches erscheint im Vergleich mit den Mitbewerber hoch ausgefallen. Nimmt man ein Vorbildfoto hinzu, könnte die Höhe aber durchaus hier stimmen. Einen Lokführer sucht man vergebens.
Auch bei Märklin sind die Scheibenwischer Teil der Frontscheibe und schwarz abgesetzt. Der schwarz angedeutete Dichtungsgummi ist etwas breit ausgefallen, was das Fenster etwas wuchtig erscheinen lässt..
 
   
Und hier wieder ein Foto des Originals zum Vergleich. Deutlich sieht man, dass die Haltegriffe bei allen Modellen massiv zu dick ausgeführt sind. Dies wird wohl wegen der Stabilität notwendig sein.
   

Drehgestelle

Die Drehgestelle der Re 460 sind unter normalen Bedingungen kaum sichtbar, da sie durch die Tiefe Verkleidung nahezu vollständig verdeckt sind. Deshalb sind diese auch bei den Modellen nicht von grosser Bedeutung, was die Detaillierung betrifft. Hier muss ich auch noch erwähnen, dass für die Fotos die Drehgestelle weiter aus dem Gehäuse herausragen als im Betrieb.
 

HAG
Sehr schön sind die dunkelgrau matt gefärbten Räder der HAG Lok. Interessant ist die erhabene Schrift SLM auf den Drehgestellen, was ich beim Original in dieser Form noch nie entdeckt habe. (Die Drehgestelle stammten von SIG, später wurde die Sparte Schienenfahrzeuge an FIAT verkauft und ist heute bei Alstom.)
   
Roco
Auch Roco vermag zu überzeugen.
   
Märklin
Die Märklin Drehgestelle sind sehr gut getroffen. Weniger gut gefallen die Räder: die typische Scheibenform ist hier nicht erkennbar, aber wie bereits geschrieben: viel sieht man hiervon auf der Anlage sowieso nicht.
   
Und hier wieder das Original. Aufgenommen in der Nacht im Hauptbahnhof Zürich, das Licht war entsprechend schlecht.
(Der HB Zürich ist auch kurz vor 21:00 Uhr, als der ICE 283 ankam, noch voll mit Reisenden. Da wird man schon etwas seltsam angeschaut, wenn man auf den Knien ein Foto eines Drehgestellt knipst.)
 

Fahrtests

Für die Fahrtest wurde eine Central Station verwendet. Die HAG und die Roco Lok werden mit 28 Fahrstufen angesteuert, die Märklin Loks mit deren 27. Dies ist das jeweilige Maximum, welches im Märklin Motorola Format aus den Decodern herausgeholt werden kann.

 

 

 

... wird fortgesetzt

 

     

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Letzte Änderung:

07.08.2008
04.09.2017

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