04.09.2017



   

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Ein Vorbild - zwei Modelle:
Re 482 von Piko und Märklin im Vergleich

Die Re 482 der SBB Cargo ist das Flagschiff des Unternehmens. Das auffällige, weisse und übergrosse Logo auf den Blau/roten Loks sieht man recht häufig, nicht nur auf Schweizer Schienen. Denn die Lok ist für den internationalen Güterverkehr konzipiert und zugelassen worden. Vor allem die Nord/Süd Verbindungen werden mit dieser modernen Elektrolok bedient.

Als Modell wurde die Lok in H0 bereits vor zwei Jahren von Piko auf den Markt gebracht. Seit Ende 2004 ist das Modell nun auch von Märklin erhältlich. Ich habe beide Modelle getestet und möchte die Ergebnisse nun hier vorstellen.

Diese beiden Kandidaten treten gegeneinander an - obwohl, ganz fair ist der Kampf wohl nicht. Das Piko Modell war schon lange vor dem Märklin Modell auf dem Markt.

Beide Modelle zielen auf den Hobby Markt: Mit vereinfachter Bauweise und einem sehr günstigem Preis sollen vorrangig nicht Modellbahner mit höheren Ansprüchen, sondern vor allem Einsteiger und Kinder angesprochen werden.
Das Antriebskonzept ist bei beiden gleich: Ein mittig längs eingebauter Standard-Motor chinesischer Herkunft treibt über zwei Kardanwellen und Schnecken alle Achsen beider Drehgestelle an. Ein Digitaldecoder mit minimalen Funktionen sorgt für den Betreib der Lok sowohl konventionell analog wie auch digital im Märklin Motorola Format. Es kann nur das Licht in Fahrtrichtung ein- und ausgeschaltet werden. Soviel zu den Gemeinsamkeiten. In der Ausführung unterscheiden sich die beiden Modelle dann doch erheblich.

Die Modelle

Das Piko Modell

In bekannter Piko Tradition ist dieses Fahrzeug mit einem sehr schweren Zinkgussrahmen ausgestattet. Der grosse DC-Motor ist längs eingebaut und wirkt kräftig. Der Billig-Decoder - ein Uhlenbrock AnDi - liegt unbefestigt auf einem aufgeklebten Gewebeband und ist ohne Schnittstellenstecker ausgeführt. Die Zugänglichkeit zur Mechanik für Wartungsarbeiten ist zufrieden stellend.

Etwas fehlt doch hier... (?)
Vor allem bei der Dachpartie ist gespart worden.

Das leichte Gehäuse ist aus Kunststoff gefertigt, die Detaillierung eher knapp. Bei der Ausführung der Dachpartie wurde klar zu Gunsten des Preises kräftig gespart. Es sind nur zwei Pantografen vorhanden, obwohl das Vorbild als Zweisystemlok deren vier aufweist. Die Pantografen selber wirken klobig und plastikhaft, die Isolatoren sind da wesentlich besser und glaubwürdiger ausgeführt. Die Dachleitungen, welche zusammen mit den Isolatoren aus einem Stück gefertigt sind, sind etwas dick geraten. Dies wohl um auch bei unsanfter Behandlung nicht gleich zu zerbrechen.

Hier ist viel Metall vorhanden. Der schwere Gussrahmen trägt dazu bei, auch ohne Haftreifen eine akzeptable Zugkraft zu erreichen. Der Decoder liegt einfach oben auf.

Auffallend sind die Räder. Als glänzende Scheiben wirken diese doch sehr spielzeughaft. In neueren Ausführungen soll dieser Mangel allerdings beseitigt worden sein und Räder mit angedeuteten Scheibenbremsen eingesetzt werden. Haftreifen sind keine vorhanden.

Die in neueren Modellen eingesetzten Radsätze (Bild links) erscheinen um Welten Vorbild getreuer als die hier verwendeten Radsätze.

Die Beleuchtung ist mit jeweils einer Glühlampe vorne und hinten gelöst. Ein in schwarzem Kunststoff eingehüllter Lichtleiter sorgt dafür, dass das Licht exakt dort austritt, wo die Lampen sind.

Das Märklin Modell

Märklin will offensichtlich mit diesem Produkt den Billiganbietern ein qualitativ besseres Modell entgegen setzen und dabei den vorgegebenen Preis nicht nur erreichen, sondern noch unterbieten.

Der Gesamteindruck stimmt. Aber auch dieses Modell ist nicht makellos.

Unüblich für Märklin wurde hier wohl aus preislichen Gründen deshalb auf einen Motor aus eigener Fertigung verzichtet und stattdessen wie Piko ein chinesischer Standardmotor verwendet. Dieser ist im Vergleich zum Piko-Modell erstaunlich klein ausgefallen. Ob sich damit eine ausreichende Zugkraft ergibt, wird später in diesem Artikel erörtert. Die Mechanik ist im Zinkgussrahmen montiert, welcher auf der Unterseite eine Aussparung für einen Lautsprecher sowie eine Durchführung für die entsprechenden Anschlüsse besitzt. Der Spezial-Decoder ist oberhalb des Motors angeordnet und mit diesem fest verbunden. Die LED für die Beleuchtung vorne und hinten sind über flexible Leiterplatten mit dem Decoder verbunden.

Das schwere Gehäuse der Märklin Lok ist ebenfalls aus Zinkdruckguss hergestellt, was der Lok zu einem ähnlich hohen Gewicht wie der Piko Lok verhilft. Auch bei diesem Modell wurde die Detaillierung knapp gewählt, die Lampen sind auffallend hervorstehend. Im Gegensatz zum Piko Pendant besitzt das Märklin Modell jedoch vier Pantografen, deren Detaillierung überzeugt. Auch hier ist es nicht vorgesehen, damit echten Oberleitungsbetrieb zu fahren. Die Dachleitungen wirken plastikhaft und recht grob.

Moderne, aufgeräumte Bauweise: Mit flexiblen Leiterplatten kann die Lok in kürzester Zeit zusammengesetzt werden.

Die angedeuteten Scheibenbremsen verhelfen der Lok zu einem Vorbild getreueren Eindruck. Zwei diagonal an einem Drehgestell angeordneten Haftreifen sollen der Lok zu mehr Zugkraft verhelfen.

Die Lampen sind mit gelben Leuchtdioden realisiert, das Licht tritt ungleichmässig aus den Öffnungen aus und wirkt dadurch unecht.

Gegenüber

Beim Piko Modell sind die Regenrinnen blau statt rot, Türgriffe und Griffstangen sind farblich nicht hervorgehoben. Die Farbübergänge sind recht unscharf. Gut gelungen sind die Lampen. Die Handgriffe vorne sind nur angedeutet. Beim Märklin Modell gefallen die hervorgehobenen Türgriffe und Griffstangen, aber die Warnhinweise und die Beschriftung an der vorderen seitlichen Frontpartie fehlen gänzlich.

Fahreigenschaften

Das Piko Modell läuft etwas schnell, aber doch praktisch lautlos an. Dieser recht ruhige Lauf zieht sich über den gesamten Geschwindigkeitsbereich fort. Die Übergänge der Fahrstufen sind etwas ruckartig. Keinerlei Probleme hat die Lok auf C-, K- und M-Gleisen und Weichen, was für die Kompetenz der Firma Piko auch bei Mittelleiter-Loks spricht. Die kleinste Geschwindigkeit ist gut, die maximale Geschwindigkeit ist etwas hoch angesetzt.

Das Märklin Modell ist im Betrieb etwas lauter als das Piko Modell, aber dennoch sehr ruhig. Die unterste Fahrstufe ist deutlich höher, die Höchstgeschwindigkeit gefällt besser als beim ersten Modell.

Zugkraft

Die Messung der Zugkraft zeigt eindeutig, dass Märklin mit den beiden Haftreifen trotz kleinerem Motor deutlich im Vorteil ist. Während das Piko Modell schon bei 75g mit durchdrehenden Räder still steht, kann das Märklin Pendant noch lange weiterziehen. Erst bei circa 160g fängt die Lok an zu schleudern, bei 185g ist Schluss. Da beide Haftreifen auf einem Drehgestell sind, ist es nicht erstaunlich, dass die Zugkraft bei unterschiedlicher Fahrtrichtung variiert. Mit dem Schleifer hinten ist die Zugkraft etwas geringer, aber immer noch doppelt so hoch wie bei der Piko Lok. Ein einziger Haftreifen bei der Piko Lok wäre angebracht gewesen und hätte die gemessenen Werte massiv verändert.

  Schleifer voraus Schleifer hinten
Märklin 185g 165g
Piko 75g 75g

Fazit

Beide Modelle können als gelungen bezeichnet werden. Das Märklin Modell gefällt auf den ersten Blick besser als das etwas ältere Piko Modell. Nimmt man die Modelle in die Hand, wird dieser Eindruck noch verstärkt; das Metallgehäuse der Märklin Lok zeigt hier seine Wirkung. Die Fahreigenschaften beider Modelle sind erwartungsgemäss nicht überragend, aber doch absolut akzeptabel. Die Optik beider Modelle könnte mit Dachleitungen aus lackiertem Draht ordentlich aufgewertet werden. Die Zugkraft setzt dem Piko Modell enge Grenzen, was die Anhängerzahl und damit zu bewältigende Steigungen betrifft. Sie reicht für eine Hobby-Ausführung durchaus, längere Züge können aber nicht eine Steigung oder einen Gleiswendel hochgezogen werden. Hier trumpft die Märklin Lok auf.

     

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Letzte Änderung:

  3.04.2005
04.09.2017

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